Seit vielen Jahren zieht es Dieter Lier immer wieder in die großen Landschaften der USA. Die Natur- und besonders die Landschaftsfotografie zählen zu seinen Leidenschaften. In diesem Interview steht er Rede und Antwort zu ein paar Fragen, die vor allem Natur- und Landschaftsfotografen interessieren.

Mit seinem fotografischen Können und seinem Gespür für die richtige Zeit am richtigen Ort versteht Dieter es wie kaum ein Zweiter in der SML, die beeindruckenden Naturschönheiten Amerikas in Szene zu setzen. Grund genug ihm mal ein bisschen auszuquetschen!

Crystal Mill © Dieter Lier

Crystal Mill © Dieter Lier

Dieter, kannst Du Dich eigentlich erinnern, wie viele Wochen oder Monate Du insgesamt schon in Amerika unterwegs warst?

Ich schätze, dass es irgendwo um die 45-50 Wochen sein müßten. Also fast ein Jahr. Amerika heißt aber nicht nur die USA, sondern auch Kanada.

Wie bist Du eigentlich zur Fotografie gekommen?

Zu meinem 12. Geburtstag habe ich eine Mittelformatkamera geschenkt bekommen. Naja, da werden jetzt einige blass geworden sein bei dieser Aussage. Es war ein Porst Fotokit mit einer Plastikkamera (Fixfokus) und 3 Blenden (ich glaube 4-8-16). Aber der Film war eben 6×6 – Rollfilm. Damit war ich angefixt. Die Filmkosten und deren Entwicklung haben meine Eltern an den Rand zum Ruin getrieben. Zwei Jahre später bekam ich dann von meinen Großeltern eine Kleinbild-Spiegelreflex, eine Practica LLC mit einem 1,2/50er Objektiv. Seitdem bin ich engagierter Fotoamateur.

Was an Amerika fasziniert Dich so?

Es ist die Weite und die Vielfalt dieses Landes. Gerade der Westen hat diese tollen Städte, wie San Francisco, Los Angeles, Denver und in Kanada auch das traumhafte Vancouver. Dazu gibt es dann diese großartigen Landschaften in Kalifornien, Utah, Arizona, New Mexico und Colorado. Nicht zu vergessen Wyoming und Montana. Das Licht ist dort irgendwie besonders – was vielleicht an der Höhe liegt – und die Farben sind sehr intensiv. Nicht umsonst sind dort die großen Nationalparks. Da sind eben Yosemite, Death Valley, Bryce Canyon, Zion Canyon, die Antelope Canyons, das Monument Valley, Mesa Verde und nicht zu vergessen der Grand Canyon.

Storm over North Rim © Dieter Lier

Storm over North Rim © Dieter Lier

Gibt es irgendwelche Motive, die besonders schwierig waren zu fotografieren oder Bilder, auf die Du besonders stolz bist?

Die besten Bilder entstehen oft dann, wenn das Wetter richtig schlecht ist. Ich habe eine kleine Serie gemacht, die am North Rim des Grand Canyon entstanden ist. Da ist ein Sturm über den Canyon und auch den Platz an dem ich war hinweg gefegt, da war hinterher alles Nass, auch die Ausrüstung. Glücklicher Weise ist nichts beschädigt worden. Die Bilder waren aber Mega. Ein anderes Mal habe ich mich, um die Weite der Schleife des Colorado Rivers am Horseshoe Bend zu zeigen, auf den Boden gelegt und die Kamera auf dem Stativ mit einem Superweitwinkel soweit wie möglich nach draussen über den Abgrund geschoben. Zum Auslösen brauchte ich dann einen Funkauslöser. Das Bild wurde richtig toll.

Entstehen Deine Aufnahmen ganz schnell und ohne Stativ oder nimmst Du Dir eher Zeit für das Bild und den richtigen Moment? Wie gehst Du vor?

Das ist mal so und mal so. Ich mach viele Aufnahmen, gerade Landschaftsbilder, wo ich genau weiß was ich haben will. Dazu kommt die Kamera aufs Stativ, alles wird eingestellt und dann wird auf das richtige Licht gewartet. Wenn ich aber in den Städten unterwegs bin, dann ist die Fotografie sehr spontan. Fast immer aus der Hand, manchmal aufgesetzt oder angelehnt.

Wer sind Deine großen fotografischen Vorbilder?

Ansel Adams, Edward Weston und aus der Gegenwart Jim Richardson was die Landschaft betrifft. In Bezug auf People- und Streetfotografie bin ich ein großer Fan von Jay Maisel.

Milky Way over Cathedral Rock © Dieter Lier

Milky Way over Cathedral Rock © Dieter Lier

Gibt es ein Motiv in Amerika, dass Dir noch auf Deiner Liste fehlt?

Oh Mann, welche Frage, da gibt es noch unendlich viele. Ich würde gerne noch  mehr in New Mexico fotografieren. In den Pueblas von Taos, in White Sands und z.B. die Milchstrasse über dem VLA (Very Large Array). Und dann ist da noch die crazy Idee einmal das „Burning Man“ Festival in der Black Rock Desert zu besuchen und dort zu fotografieren.

Mit welchem Objektiv fotografierst Du besonders gerne und oft?

Ich liebe das 16-35/f2.8 GM E-Mount von Sony. Damit mache ich viele meiner Aufnahmen und wenn ich in der Stadt unterwegs bin , dann nutze ich häufig das 35/f1.4 Zeiss – vor allem wenn ich Dinge oder Personen freistellen will.

Verrate uns zum Schluß noch ein Geheimnis zur Photokina-Zeit: was steht denn zur Zeit auf dem Technik-Wunschzettel ganz oben?

Da stehen derzeit zwei Optiken, die ich noch gerne dabei hätte. Zum einen das Sony FE 85/f1.4 GM – was eine tolle Portraitoptik mit einem wunderbaren Bokeh ist – dafür braucht es aber keine Photokina – das muss man nur kaufen gehen. Das Andere ist der Wunsch nach einem hochgeöffneten Superweitwinkel 10-15mm mit Blende 1.8 oder mehr. Am Besten als MF Optik. Ich würde nämlich gerne noch mehr in das Thema “Milkyway Photography” einsteigen. Was übrigens auch im Westen der USA perfekt geht, weil durch die dünne Besiedlung die Lichtverschmutzung sehr gering ist. Und durch die Höhe, man ist oft auf über 2500m, ist auch der atmosphärische Einfluß gering.

Danke für das Interview, Dieter!

 


Übrigens: Dieter Lier war neben Wilfried Sperling der Tester des Canon ProGraf Fotodruckers. Hier geht es zu Teil 1

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