In ihrem Artikel schreibt Christa Gschwentner über die Entstehung der Ausstellung ‘Schwabinger Künstler in ihren Ateliers’. Gemeinsam mit Wilfried Sperling, Peter Schult und Wolfgang Götschel haben die vier SML-Mitglieder die Arbeit von sehr unterschiedlichen Schwabinger Künstlern begleitet und dokumentiert.

Die Ausstellung ist vom 25. bis zum 28. Oktober 2018 in der Galerie ARTikel, Luisenstrasse 68, zu sehen

Alle Infos zu den Öffnungszeiten, Anfahrt etc. im Veranstaltungskalender, siehe Ausstellung und Vernissage

Warum diese Ausstellung

Schwabing mit dem unkonventionellen Künstlermilieu war der Sehnsuchtsort meiner Jugend.

Die Kneipen in der Leopoldstraße oder Türkenstraße, in denen Maler, Fotografen und Filmemacher verkehrten, die von Paris erzählten, der eigentlichen Traumstadt der 60-iger Jahre. Meine Liebe und Verbundenheit mit Schwabing hat mich mein ganzes Leben begleitet.

Umso ärgerlicher ist der Umstand, dass sich das Viertel drastisch verändert hat. Antiquariate, Blumengeschäfte, Buchläden geben auf. Die legendäre Kneipenkultur ist Geschichte. Stattdessen etablieren sich Fastfood-Ketten.

Die fortschreitende Gentrifizierung macht die Mieten für viele unbezahlbar, selbst für etablierte Künstler, die jahrzehntelang  in einem Ende des 19. Jahrhunderts nur für Künstler erbauten Haus gelebt und gearbeitet haben.

 

Der “Mythos Schwabing” – hat er noch seine Berechtigung?

Eintrag im Projektbuch © Christa Gschwentner

Eintrag im Projektbuch © Christa Gschwentner

Dieser Frage wollte ich mit diesem Projekt nachspüren. Ich konnte weitere Fotografen der SML für dieses Vorhaben begeistern. Wir haben  KünstlerInnen gesucht und gefunden, die bereit waren, uns Einblicke in ihre Arbeitswelt zu gewähren.

Unser gemeinsames Projekt teilte sich im wesentlichen in drei Phasen auf

  • die fotografische Arbeit
  • die Suche nach einer Ausstellungsmöglichkeit
  • die Planung der Ausstellung

wobei wahrscheinlich für alle Beteiligten die lustvollste ganz entschieden die der fotografischen Arbeit war.

Im gemeinsamen Gespräch nach Abschluss des Projektes beantworteten wir jede/r aus ihrer/seiner Sicht, wie es verlief. Die erste Frage beleuchtete vor allem die unterschiedlichen Zielsetzungen und Herangehensweisen der vier Fotografen:

Was war Deine Zielsetzung für das Projekt und wie ist es Dir gelungen?

Meine Intention war von Anfang an, zumindest Teile des Malprozesses an einem einzigen Bild zu zeigen. Nicht die Künstlerin Margarethe Fritz-Herrmann weder die Tätigkeit ihrer Hände  noch  der Raum und seine Stillleben, standen im Fokus meiner Fotografien. Nicht dass nicht unzählige Atelierbilder und Portraits von Margarethe nach geglücktem Schaffen entstanden wären, aber letztlich habe ich mich für ihr Werk entschieden. Ganz anders die Kunstgießerei: hier war es der archaische Ort und die Arbeit der Kunsthandwerker mit der 1200 Grad heißen, flüssigen Bronzesuppe, die mich magisch in Bann zogen.

Christa

Die Darstellung der Äußerlichkeiten des Wohnateliers ist gelungen, jedoch die Aktivitäten der Künstlerin konnte ich nicht genügend erfassen.

Peter

Die gestellten Vorgaben konnten aus meiner Sicht von mir umgesetzt werden.

Besonderes Augenmerk lag auf der Darstellung des handwerklichen Vorgehens bei der Gestaltung des Bildes.

Wilfried

Konstantin habe ich ungefähr dreißig Jahre nicht gesehen. Es gab damals einige lange Nächte mit großen Diskussionen und irgendwie war es, als ob das erst vorgestern gewesen wäre. Die Fotos entstanden eigentlich nebenbei, während wir miteinander sprachen. Neutral betrachtet konnte ich die gestellte „Aufgabe“ hier nicht erfüllen. Es gibt natürlich Portraits und Bilder aus dem Atelier. Vom direkten Malvorgang allerdings nicht.

Wolfgang

Eintrag im Projektbuch © Christa Gschwentner

Auf der Suche nach Ausstellungsmöglichkeiten, Eintrag im Projektbuch © Christa Gschwentner

 

Die zweite Frage unseres Gesprächs kreiste vor allem darum, wie sich die Zusammenarbeit mit den Künstlern gestaltete, wie gut man an sie und ihre Arbeit herankam.

 

Wie hat sich die Beziehung zum KünstlerIn gestaltet bzw. entwickelt?

Es hat sich ein lockeres, freundschaftliches Verhältnis ergeben.

Peter

Da ich auch an der Akademie war, gab es natürlich viele Anknüpfungspunkte. Rosa ist sehr kommunikativ und berichtet ganz offen über ihre Arbeit. Wer selbst einmal das Vergnügen haben sollte, mit ihr zu sprechen, wird mir zustimmen. Wir befanden uns innerhalb kürzester Zeit in intensiven Gesprächen. Und sie war sehr kooperativ. Ich konnte mich frei im ganzen Atelier bewegen, gleichzeitig habe ich versucht, sie nicht allzu sehr zu stören.

Wolfgang

Die anfängliche Scheu, einer bis dato vollständig fremden Person in ihrem Atelier mit der Kamera ‚auf den Leib zu rücken‘, legte sich jedoch recht bald.

Es entstand ein vertrauensvolles Miteinander.

Wilfried

Das Atelier hat ähnlich einem privatem Raum eine intime Atmosphäre. Margarethe hat mir von Anfang an vertraut. Sie stellte keine Bedingungen. Es gab keine Regeln. Sie hat gearbeitet und mich machen lassen. Ich konnte ihr ganz nah kommen mit meiner Kamera. Wir sind Freunde geworden. Ganz anders die Kunstgießerei: der Raum fordert Respekt. Distanz zu Hasan und Aslan Göktepe war schon allein wegen des gefährlichen Werkstoffes geboten.

Christa

Dann ein durchaus kritischer Teil, der sich mit eventuellen Schwierigkeiten oder Hürden beschäftigte:

 

Was war schwierig?

Im Nachhinein betrachtet, wäre es vielleicht auch interessant gewesen, wenn der Malvorgang auf einer Staffelei stattgefunden hätte. Dann hätte man Bilder von schräg vorne aufnehmen können. Aber so konnte ich ihr über die Schulter sehen, das ist ja auch eine interessante Perspektive, weil man dann auch die Objekte sieht, an denen sie gerade arbeitet.

Wolfgang

Schwierig war für mich, wie schon gesagt, nur der Beginn, das erste Treffen.

Wilfried

Ich mag keine inszenierten Bilder. Nicht die Realisierung eines Konzepts reizt mich. Das Bild ist noch nicht in meinem Kopf, der Zufall bestimmt die Komposition. Es gilt den  Augenblick, in dem alles stimmt, zu erkennen. Schwierig war allein, darauf zu vertrauen.

Christa

Die Terminplanung wegen der unterschiedlichen Abwesenheiten und des stringenten Arbeitsrhythmus der Künstlerin.

Peter

Am Ende solch eines Projektes steht aber immer auch ein Lohn. Nein, kein materieller Lohn, sondern vor allem eine innere Bereicherung.

 

Was hat uns die Arbeit am Projekt gegeben?

Zunächst mal viele schöne Bilder. Eine Zeit intensiven Eintauchens in die Welt der Künstler.

Christa

Meine ganz persönliche Erfahrung aus dem Projekt mit den Schwabinger Künstlern ist, dass man Dinge, die man noch nicht gemacht hat und vor denen man Scheu hat, sie falsch zu machen, einfach anzupacken.

Jeder weiß: Der erste Schritt ist der schwierigste. Auch ist es die Erkenntnis, ja Bestätigung, dass man Menschen, bei der Arbeit oder einfach nur so, nicht mal so ‚abknipsen‘ kann.

Es muss eine Beziehung, Vertrauen geschaffen werden. Von beiden Seiten. Nur so, glaube ich, können Fotografien entstehen, die man etwas länger als nur 1 – 2 Sekunden betrachtet.

Wilfried

Meine Fotografie wird „frei“ bleiben; ohne die Festlegung auf ein Thema.

Peter

Wenn sich jemand in einen solchen kreativen Prozess begibt, ist er noch mehr bei sich selbst, als wenn man beispielsweise stark konzentriert ist. Das ist eine sehr authentische Form menschlichen Handelns. Hier mit der Kamera dabei sein zu können, war für mich sehr bewegend.

Wolfgang

Die Suche nach einer Ausstellungsmöglichkeit

Auf der Suche nach Ausstellungsorten © Christa Gschwentner

Auf der Suche nach Ausstellungsorten, Eintrag im Arbeitsbuch von Christa Gschwentner

Nahezu 1 Jahr habe ich damit zugebracht, einen Raum für die Ausstellung unserer Arbeiten zu finden. Das war zum Teil frustrierend. Irgendwann hatte ich auch aufgegeben. Andererseits habe ich auch viel erfahren über den Münchner Kulturbetrieb.

Da wir kein Geld für Miete ausgeben wollten, habe ich mich zunächst an städtische Institutionen gewandt. Fazit: Die Färberei, das Kösk, die Lothringer Hallen und selbst die Seidlvilla fördern nur junge Künstler bzw. Profis.

Dann hatte ich die Idee, Zwischennutzungsmöglichkeiten bzw. Lost Places kurz vorm Abriss zu suchen. Die Problematik hier: keiner wollte die Haftung übernehmen.

Am Ende haben wir entschieden, doch Geld für die Miete einer kleinen Galerie zu investieren.

 

Die Fotografen: Wilfried Sperling, Christa Gschwentner, Wolfgang Götschel, Peter Schult (v.l.n.r.)

Die Planung der Ausstellung

Da stecken wir noch mitten drin. Auch diese Phase hatte ich mir einfacher vorgestellt. Drei  Männer und eine Frau mit ziemlich unterschiedlichen Ideen. Bisher haben wir es immer geschafft, uns zu einigen. Im Geheimen hat wohl jeder von uns schon mal gedacht, nie wieder eine Gruppenausstellung. Aber alleine? Nein, die gegenseitige Unterstützung war und ist immens wichtig.

In diesem Sinne “SEE YOU”: wir würden uns freuen Dich/Euch zahlreich bei der Vernissage (hier werden auch die portraitierten Künstler anwesend sein) und während der Ausstellung zu treffen!

 

Die Ausstellung ist vom 25. bis zum 28. Oktober 2018 in der Galerie ARTikel, Luisenstrasse 68, zu sehen

Alle Infos zu den Öffnungszeiten, Anfahrt etc. im Veranstaltungskalender, siehe Ausstellung und Vernissage

Zur abschließenden Illustration des Projektes ein paar Einträge aus meinem Arbeitsbuch:

Über Christa Gschwentner

Christa Gschwentner ist Schwabingerin mit Herz und Seele. Es ist nicht nur ihr Wohnort, sondern auch ein geistiges Zuhause und natürlich ihr bevorzugtes fotografisches Jagdrevier. Es ist ihr künstlerischer Blick, der die Fotografien von Christa Gschwentner besonders macht, Bilder voller Ruhe und Fokussierung auf das Wesentliche.

Für ihre SML-Mitgliedergalerie hat sie Bilder ihres Projektes ‘Schwabinger Künstler in ihren Ateliers’ ausgesucht.