Tropfenfotografie – das ist einer der großen fotografischen Schwerpunkte von Franz Weiser, der im vergangenen Jahr Mitglied der SML wurde. Kein einfaches Genre, denn nur mit Geduld, technischem Verständnis und einer ganzen Prise experimenteller Neugier gelingen so eindrucksvolle Bilder, wie die von Franz Weiser. Im Gespräch mit Christoph verrät er, wie er die Tropfenfotografie für sich entdeckt hat und gibt denjenigen ein paar wertvolle Tipps, die das vielleicht gerne selber mal ausprobieren wollen.


Hinweis: Die Ausstellung “Tropfenfotografie” von Franz Weiser ist noch bis 14. Februar 2019 in den Räumen der SML zu sehen.


Franz Weiser im Gespräch

Franz Weiser im Gespräch

Glückwunsch, Franz, zu Deiner gelungen Ausstellung in der SML. Wahrscheinlich gab es in der langen Geschichte der SML noch nie ein einziges Tropfenbild zu sehen. Wie bist Du eigentlich dazu gekommen?

Danke Christoph, ja wie kam ich dazu? Ich lese unregelmäßig Fotozeitschriften und schaue mich im Internet nach Bildern um. Dort sah ich immer wieder hervorragende Bilder. Meine ersten Versuche startete ich mit einer Pipette und war sehr glücklich, als ich den ersten Tropfen mit der Kamera eingefangen hatte. Anschließend holte ich mir ein Tropfbesteck in der Apotheke. Die Trefferquote war höher, allerdings konnte man nur einen Tropfen einfangen. Mir wurde schnell klar, dass man für gute Bilder Hardware benötigt. Damals war die Hardware noch sehr teuer. Im Dezember 2017 las ich in einer Fotozeitschrift, dass es jetzt eine neue Steuerung mit Software für ca. 250 Euro gibt. Mit dieser kann man drei Magnetventile, zwei Blitze und die Kamera steuern. Diese Steuerung habe ich mir sofort bestellt.

Was reizt Dich persönlich an diesen Motiven, ist es das Abstrakte, die Formen oder vielleicht auch die Farben, mit denen Du spielst?

Da ich ja gelernter Techniker bin, reizt mich im speziellen das Zusammenspiel des Fotografierens und des Experimentieren mit der Steuerung. Es gibt sehr viele Parameter an denen man drehen kann um das Ergebnis zu beeinflussen. Die Formen können mit gewisser Übung produziert werden, aber es wird kein Bild wie das Andere aussehen.

Tropfen © Franz Weiser

Tropfen © Franz Weiser

Du hast erzählt, dass Du erst vor zwei Jahren damit ernsthafter angefangen hast, Tropfenfotografien zu machen. Wie viele fehlgeschlagene Versuche hattest Du, bis Du Dein erstes vorzeigbares Ergebnis produziert hattest?

Nachdem ich die Steuerung hatte, machte ich mich sofort daran dies zu testen. Ich musste feststellen, dass die Bilder nicht von alleine kommen. Am Anfang bekam ich nur schwarze Bilder. Ich las die Beschreibung der Steuerung und stellte fest, dass erst einige Parameter schrittweise getestet und eingestellt werden musste. Hier geht es um die Vorlaufzeit (die bei jeder Kamera anders ist), damit der Verschluss komplett geöffnet ist. Des Weiteren sieht man keinen einzigen Tropfen, wenn die Auslösezeit der Blitze falsch eingestellt ist. So machte ich ca. 500 Bilder, bis ich die ersten Tropfen auf einem Bild festhalten konnte.

Muss man dafür ein besonders geduldiger Mensch sein?

Die Frage ist für mich schwer zu beantworten. Ich bin ein ungeduldiger Mensch, allerdings wenn mich etwas interessiert, kann ich mich an einer Sache fest beißen.

Hattest Du Vorbilder, die Dich in Deinen Bildern besonders inspiriert haben?

Ja, Daniel Nimmervoll, von dem ich ein Buch gekauft habe und Markus Reugels.

Wie leicht oder schwer ist es, damit einfach anzufangen? Oder ist aller Anfang hier besonders schwer?

Ich denke schwierig ist der falsche Ausdruck. Man muss sich mit dem Thema auseinander setzen und kann nicht einfach nur mit der Kamera drauf halten. Ich denke, dass die Bilder von mal zu mal besser werden. Allerdings sollte man die Flinte nicht ins Korn werfen, wenn ein Bild mal nicht so toll ist.

Erzähl doch mal ein bisschen über die von Dir verwendete Technik. Was sind die wichtigsten Einkaufstipps für jemanden, der gerade damit anfangen will?

Aufbau für Tropfenfotografie von Franz Weiser

Aufbau für Tropfenfotografie von Franz Weiser

Wie bereits erwähnt, geht es nicht ohne zusätzlicher Hardware, für Bilder mit mehreren Tropfen, Tropfen auf Tropfen, kurz TaT genannt. Ich arbeite mit einer Steuerung, mit der drei Magnetventile, zwei Blitze und die Kamera gesteuert werden kann. Ich habe ein Alugestell gebaut, an dem die Magnetventile und die Behälter für die Flüssigkeiten befestigt sind. Ich tropfe in eine lange Auffangschale die noch einen speziellen Ablauf hat.

Für die ersten Versuche würde ich ein Tropfbesteck aus der Apotheke holen oder im Internet bestellen. Das kostet nicht viel und man hat trotzdem Spass.

Des Weiteren möchte ich auf die Webseiten von Daniel Nimmervoll und Markus Reugels verweisen, obwohl ich mir sicher bin, dass ihr dann meine Bilder nur als nett gemeinte Versuche ansehen werdet. Die Zwei sind absolute Profis und haben sehr gute und nützliche Beschreibungen für alle Schwierigkeitsgrade.

OK, ich habe schon verstanden, dass banales Leitungswasser komplett das Falsche ist, aber warum sollte ich ausgerechnet Milch verwenden?

Milch hat eine sehr gute Viskosität und muss nicht speziell vorbereitet werden. Milch ist nicht besonders empfindlich, für unerwünschte Reflektionen.

Und was war das nochmal für ein Mehl, dass Du da heimlich ins Wasser mischt?

Hier handelt es sich um Guarkernmehl (Internet). Ich mische das aber nicht heimlich. Durch das Zumischen von Guarkernmehl wir die Oberflächenspannung des Wassers positiv verändert.

Tropfen in Kaffeetasse © Franz Weiser

Tropfen in Kaffeetasse © Franz Weiser

Hast Du die Tropfenfotografie eigentlich auch schon mal mit ganz anderen Flüssigkeiten, wie Kaffee, Salatöl oder Sekt probiert?

Nein, wie bereits erwähnt habe ich erst 8 Shootings gemacht. Aber ich werde bestimmt noch einiges Testen.

Einen besonderen Reiz bekommen Deine Bilder durch ihre besondere Farbigkeit, sei es in den Tropfen, sei es in den Hintergründen. Machst Du das in Photoshop?

Nein, der Photoshop ist nur für die normale Bearbeitung zuständig (Belichtung, Kontrast, Schärfe einstellen und fehlgeleitete Spritzer und Sensorflecken entfernen). Die Farben können über zwei Wege erzeugt werden. Erstens, Farbfolie vor die Blitze (bei 4 Blitzen habe ich 4 Farben). Zweitens, der Flüssigkeit Lebensmittelfarbe beimischen (3 Farben). Drittens, die Kombination von Blitz und Flüssigkeit ergibt 7 mögliche Farben.

In einem Bild ist ein Raster im Hintergrund zu sehen. Aber das muss doch in Photoshop hineingebaut worden sein!

Tropfen vor Lochgitter © Franz Weiser

Tropfen vor Lochgitter © Franz Weiser

Nein, auch das ist nicht im Photoshop erzeugt worden. Ich habe die Tropfen von hinten durch eine Kunststoffplatte belichtet. Zusätzlich habe ich noch ein Lochblech aus dem Baumarkt vor die Kunststoffplatte gestellt. Dadurch hatte ich die Struktur im Hintergrund.

Hast Du schon ein neues Experiment für Dein nächstes Bild im Kopf?

Bisher werden meine 4 Blitze gleichzeitig gesteuert. Ich will den selben Tropfen bis zu viermal an unterschiedlichen Positionen auf einem Bild einfrieren. Für zwei unterschiedliche Positionen habe ich schon ein Lösung im Kopf. Bisher habe ich noch keine Lösung wie ich die 4 Blitze einzeln zu unterschiedlichen Zeiten abfeuern kann. Aber das ist das Spannende und die Herausforderung. Ich will auch noch an der Qualität der Aufnahmen arbeiten und mit unterschiedlichen Hintergründen arbeiten.

Danke, Franz, für dieses Gespräch!


Weiterführende Links:

Mehr Bilder von Franz Weiser > Fotocommunity

Webseite von > Daniel Nimmervoll

Webseite von > Markus Reugels


Über Franz Weiser

Vor über zwei Jahren hat Franz Weiser die kreativen Möglichkeiten der Tropfenfotografie für sich entdeckt, ein Thema, das er Biss und Leidenschaft verfolgt. Darüber hinaus interessiert er sich für Landschaften, Architektur und Tierfotografie.

Besonders die Auseinandersetzung mit Licht und mit Abstarktionen ist oft in seinen Bildern zu entdecken.

Mehr Bilder von Franz Weiser auf >Fotocommunity